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DesignOps: Unseren Designprozesses überdenken

Clemens Posch
Design Director
Veröffentlicht
1. Juni 2020

Das Parkside-Team ist im Laufe der Jahre enorm gewachsen – von einer Handvoll Designer zu einem großen und „erwachsenen” Team mit mehr als einem Dutzend Junior- und Senior-Designern. Mit dem Wachstum geht nicht nur mehr Verantwortung einher, sondern auch die Notwendigkeit, viele Teammitglieder kontinuierlich auf dem Laufenden zu halten. Wir müssen Prozesse einführen, um sicherzustellen, dass wir hochwertige Designlösungen für unsere Kunden liefern können – in jedem einzelnen Projekt.

Was genau sind DesignOps?

DesignOps verschmelzen die Schritte im Designprozess mit bewährten Strategien und Prozessen der Softwareentwicklung, um den Gesamtprozess zu vereinfachen und zu automatisieren. Mit der Einführung von DesignOps konzentrieren wir uns vor allem auf die Verbesserung dieser drei Hauptbereiche:

Kultur

Hier geht es um die Zusammenarbeit von Designern innerhalb ihres Teams und mit anderen Abteilungen des Unternehmens. Außerdem sind Rekrutierungsangelegenheiten und Karriereplanung ebenfalls ein Teil des kulturellen Aspekts von DesignOps.

Prozess

Dieser Bereich konzentriert sich speziell auf Arbeitsabläufe, Prinzipien und Systeme. Welche Prinzipien verwendet ein Team, um seine Arbeit zu priorisieren? Welche Tools müssen verwendet werden und welche dürfen eingesetzt werden? Welche Logik verwendet das Team, um Dateien, Designelemente und ganze Projekte zu organisieren?

Ökosystem

Dieser Bereich befasst sich mit den Rahmenbedingungen und Erfolgsbedingungen des Designs. Welche Metriken sind für das Team und für ein Projekt wichtig? Wie wird Erfolg definiert und wie wird er sichtbar gemacht – sowohl für das Team als auch für den Kunden? Wie können die Designer im Team ihre eigenen Fähigkeiten und Kenntnisse erweitern und wie kann sich das gesamte Team weiterentwickeln?

DesignOps sind unsere Antwort auf Designtrends, die sich schon jetzt zunehmend aufdrängen – und die uns vermutlich auch in Zukunft begleiten werden. Zu diesen Trends gehören:

1. Kunden, die den immensen Wert von UX erkennen

In einer Zeit, in der Websites, Apps und Plattformen eine Selbstverständlichkeit sind, kommen unsere Kunden nicht nur wegen technologischer Lösungen zu uns, sondern auch für Beratung darüber, wie man das bestmögliche Produkt entwirft, das dem Endkunden das tollste Erlebnis bietet. Es reicht einfach nicht aus, nur eine Website, App oder Plattform zu haben – sie muss besser sein, als die anderen am Markt. 

2. Design und Software gehen Hand in Hand 

Design und Softwareentwicklung nähern sich immer mehr an. Designer und Entwickler beginnen, die gleiche Sprache zu sprechen. Werkzeuge, die den Übergang vom Design zum Code erleichtern, sind auf dem Vormarsch. Code-basierte Design-Outputs verbessern sich und werden für Entwickler immer nützlicher.

3. UX wird zu einer Teamleistung

Bei Parkside schieben wir die Aufgabe, die Benutzererfahrung zu verbessern, niemals einfach auf einen Designer ab – und wir haben schon bald erkannt, dass das UX-Design absolut jeden betreffen muss, der an der Entwicklung eines Produkts beteiligt ist. Vom Softwareentwickler bis hin zum Qualitätssicherungsmanager sollte jeder etwas dazu beitragen – und genau so werden unsere Teams bald arbeiten.

Das Bewusstsein für die Bedeutung des UX-Designs war nicht immer bei allen Teams vorhanden, und die Designer haben ganz sicher den Ausschlag für die Veränderung in unserer Denkweise gegeben. Bei Parkside haben wir Initiativen wie die Parkside Academy und Communities of Practice, die einen Wissenstransfer erleichtern und es dem gesamten Team ermöglichen, sich der Bedeutung des UX-Designs bewusst zu werden und herauszufinden, wie es in ihre Arbeit integriert werden kann.

Standardisierung von Designprozessen

Um den gesamten Designprozess zu verbessern, war es klar, dass wir bestimmte Prozesse und Tools standardisieren mussten – vor allem, wenn es um die Zusammenarbeit zwischen den Design- und Entwicklungsteams ging. Dies waren unsere 3 Hauptziele: 

  • Auswahl von Standard-Tools zur Verbesserung der Teamzusammenarbeit
  • Einführung von Prozessen, mit denen das Design Team große Projekte mit Leichtigkeit in Angriff nehmen kann 
  • Die Zusammenarbeit mit dem Entwicklerteam sollte harmonisiert werden, damit Aufgaben reibungslos von einem Team auf das andere übertragen werden können
Arbeiten auf Git-Basis

Ein Problem, das in vielen Design Teams auftritt: Besonders bei großen Projekten, an denen mehrere Designer beteiligt sind, verliert man leicht einmal das Gesamtbild aus den Augen. Bald genug fragen die Leute nach, welches Logo das richtige und welche Version die aktuellste ist etc.

Am Ende heißen die Dateien “Landingpage_v2_final(3)_revised.sketch”, und Kopien davon befinden sich auf drei verschiedenen Clouds, Festplatten oder schweben in einem zufälligen Dropbox-Ordner herum. Je mehr Dateien verarbeitet werden, je mehr Leute man im Team hat, desto mehr gerät die ganze Sache außer Kontrolle – deshalb mussten wir eine Lösung finden.

In der Softwareentwicklung wurde dieses Problem vor vielen Jahren gelöst. Entwickler arbeiten mit Repositories nach dem Git-Prinzip. Egal, wie viele Entwickler gleichzeitig an dem Code arbeiten, es gibt immer einen Master, bei dem am Ende alles zusammenkommt. Neue Werkzeuge ermöglichen den Designern nun einen ähnlichen Prozess.

Unser Tool der Wahl für Design-Kollaboration: Abstract

Parkside verlässt sich auf das Versionskontrollsystem Abstract. Alle Projektdateien werden unter Abstract in einer Cloud gespeichert. Für jedes Projekt gibt es ein Design-Repository, das als eine einzige Quelle der Wahrheit fungiert. Dadurch ist es möglich, an Hunderten von Bildschirmen mit mehreren Designern gleichzeitig, aber asynchron, zu arbeiten.

Abstract selbst ist kein Design Tool, Designentwürfe werden nach wie vor in Sketch oder Adobe XD erstellt. Doch genau wie auf einer Git-Plattform erstellt Abstract für jede neue Version eines Designs neue “Zweige”. Solange diese nicht zusammengeführt werden, bleibt der Design Master unverändert. Das Team entscheidet gemeinsam, was in das endgültige Design aufgenommen wird – so wird der kollaborative Ansatz hervorragend umgesetzt.

8-Punkte-Rastersystem: Wie wir Benutzeroberflächen konsistent halten

Das 8-Punkte-Rastersystem garantiert eine konsistente Benutzeroberfläche, indem es dafür sorgt, dass es keine Diskussionen über Positionen, Größen oder Abstände von Elementen mehr gibt, da alle Dimensionen im Entwurf ein Vielfaches von acht sind. Es ist flexibel genug, um kreatives Design zu ermöglichen. Aber viele Entscheidungen werden bereits durch die gesetzten Standards getroffen. Dies beschleunigt nicht nur den Designprozess selbst, sondern auch die Geschwindigkeit des Codens immens.

Atomare Designprinzipien

Neben dem Rastersystem wollten wir noch ein einheitliches Klassifizierungssystem für alle Projekte einführen. Dieses System sollte sicherstellen, dass ein Designer, der von einem Projekt zu einem anderen wechselt, sich sofort zurechtfindet. Niemand sollte nachfragen müssen, in welchem Ordner die Logos gespeichert sind oder wo das Mockup für die Landing Page gespeichert wurde.

Unsere Designs basieren auf dem Atomic Design von Brad Frost. Alle Designelemente sind in einer fünfstufigen Hierarchie angeordnet – beginnend mit einzelnen Elementen wie Logos oder Schriftarten, welche die Atome darstellen. Die nächsthöheren Ebenen der Hierarchie reichen von Molekülen über Organismen und Templates bis hin zu fertigen Seiten.

Der Master-Zweig: eine einzige Quelle der Wahrheit

Dieses Fundament muss natürlich immer sauber, einheitlich und ordentlich sein. Wir sehen den Master-Zweig als einen Ort für abgeschlossene und genehmigte Arbeit, als eine Quelle der Wahrheit für das gesamte Projekt. Die Konsolidierung von Designs im Master-Zweig signalisiert, dass sie genehmigt wurden und bereit sind, vom Rest des Teams verwendet zu werden.

Bei Parkside wird diese Aufgabe in der Regel von einem Designer im Team übernommen, um die Konsistenz des Designsystems zu gewährleisten. Eine solche Person ist unverzichtbar, da wir diesen Schritt noch nicht in dem Maße automatisieren können, wie wir es in der Entwicklung können.

Design-Driven Development wird der neue Standard

Der größte Gewinn durch die Implementierung von DesignOps bei Parkside besteht darin, dass unsere Designer dadurch mehr Freiheit haben, sich auf die kreativen Aspekte ihrer Arbeit zu konzentrieren und gleichzeitig einen noch höheren Qualitätsstandard gewährleisten können. Insgesamt hat die Implementierung von DesignOps es dem Team auch ermöglicht, nach einem bewährten Verfahren zu reifen und zu wachsen – so, wie es bereits Spitzenunternehmen wie Uber, Spotify und Airbnb in der Vergangenheit erfolgreich getan haben.

Wir sind davon überzeugt, dass sowohl unser Team als auch unsere Kunden langfristig von der designorientierten Entwicklung und der Implementierung von DesignOps zur weiteren Annäherung zwischen Design- und Development-Teams profitieren können.

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